Überalterte Strukturen, steigende Einsätze, neue Bedrohungslagen: Hessische Hilfsorganisationen und der Landesfeuerwehrverband Hessen e.V. legen ein gemeinsames Positionspapier vor
Mit einem gemeinsamen Positionspapier wenden sich die hessischen Hilfsorganisationen ASB, DLRG, DRK, JUH und MHD sowie der Landesfeuerwehrverband Hessen an die Landespolitik: Sie mahnen dringend strukturelle Reformen, eine verlässliche Finanzierung und die Gleichstellung aller Einsatzkräfte im Katastrophenschutz an.
Die Verbände machen deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren erheblich verändert haben: Steigende Einsatzanforderungen durch Klimawandel, extreme Wetterereignisse, Pandemien, Energieengpässe und Cyberangriffe treffen das Land mit zunehmender Intensität. Krisen seien längst keine Ausnahme mehr, sondern „dauerhafte Realität“.
Bildquelle: Foto Halisch
Norbert Södler, Präsident des DRK-Landesverbandes Hessen e.V., fasst stellvertretend für alle Hilfsorganisationen zusammen: „Damit Hessen auch künftig krisenfest bleibt, brauchen unsere Einsatzkräfte moderne Strukturen, verlässliche Finanzierung und faire Rahmenbedingungen. Die aktuellen Herausforderungen zeigen deutlich: Der Katastrophenschutz muss jetzt gemeinsam und nachhaltig gestärkt werden!“
Norbert Fischer, Präsident des Landesfeuerwehrverband Hessen e.V. betont: „Das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz regelt für die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren verbindlich die Freistellung vom Arbeitsplatz und die Erstattung von Verdienstausfällen. Für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen in Hessen gelten diese Absicherungen bislang nicht in gleicher Weise. Wer im Katastrophenschutz den gleichen gesetzlichen Auftrag erfüllt, darf bei Freistellung und finanzieller Absicherung nicht schlechter gestellt sein.“
Modernisierung und verlässliche Finanzierung gefordert
Viele Katastrophenschutzeinheiten arbeiten mit überalterter Ausstattung; Ersatzbeschaffungen verzögern sich teilweise über Jahre. Besonders bei Fahrzeugen bestehen erhebliche Modernisierungsbedarfe - zahlreiche Einsatzfahrzeuge sind älter als 20 Jahre.
Die Organisationen fordern daher eine zuverlässige, landesseitige Finanzierung, die sowohl Material, Fahrzeuge und Strukturen als auch Ausbildung und Übungskapazitäten abdeckt. Nur so könne die Einsatzbereitschaft dauerhaft gesichert werden.
Einsatz des Sondervermögens „Infrastruktur“
Ein weiterer Kernpunkt des Positionspapiers ist die Forderung, 2 % des Bundes-Sondervermögens „Infrastruktur“ für die Stärkung der anerkannten Hilfsorganisationen bereitzustellen. Diese Mittel sollen gezielt für Modernisierung, Resilienz und operativ notwendige Strukturen genutzt werden.
Gleichstellung aller Einsatzkräfte
Die Verbände kritisieren strukturelle Unterschiede zwischen Feuerwehren und Hilfsorganisationen bei Themen wie Freistellung, Lohnfortzahlung oder Versicherungsschutz. Da alle Kräfte denselben gesetzlichen Auftrag erfüllen, sei eine vollständige Gleichstellung erforderlich - auch zur Sicherung der Motivation und Einsatzbereitschaft.
Stärkung der Ausbildung und Entbürokratisierung
Da Aus- und Fortbildung überwiegend durch die Hilfsorganisationen getragen wird, müsse das Land die veralteten Erstattungssätze dringend anpassen. Auch die Verwaltungsstrukturen müssten modernisiert und digitalisiert werden, um Ehrenamtliche zu entlasten.
Appell an die Landespolitik
Im Anschreiben an die politischen Entscheidungsträger betonen die Präsidenten und Landesvorstände der beteiligten Organisationen, dass die Herausforderungen nur gemeinsam und strukturell gelöst werden können. Sie bitten darum, das Positionspapier in die politischen Beratungen einzubeziehen und signalisieren jederzeitige Gesprächsbereitschaft.
„Ehrentag“ für Ehrenamt am 23. Mai: Förderungen für Aktionen beantragen
Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ist starker Partner der Feuerwehren
Berlin. - „Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen. Am Geburtstag unserer Verfassung packen deshalb alle mit an, um unser Land ein bisschen besser zu machen. Dabei stehen Begegnung und gemeinsames Tun im Mittelpunkt“ – so erklärt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Gedanken hinter dem ersten deutschlandweiten Ehrentag zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai 2026. Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), begrüßt die Initiative ausdrücklich. Er war auch durch eine Podiumsdiskussion und ein direktes Gespräch mit dem Bundespräsidenten in die Initialisierung der Veranstaltung eingebunden. „Wir nehmen den Impuls des Bundespräsidenten gerne auf und werden die Gelegenheit nutzen, das wichtige Engagement der Freiwilligen Feuerwehren für die Gesellschaft zu betonen“, so der DFV-Präsident. Ziel des Programms ist es, Engagement sichtbar zu machen, Menschen zusammenzubringen und den Ehrentag vor Ort lebendig zu gestalten.
Der Ehrentag wird auf Initiative und unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) umgesetzt. Freiwillige Feuerwehren können sich mit kleinen und großen Aktionen an der deutschlandweiten Mitmach-Kampagne beteiligen. Die Events können unter https://www.ehrentag.de/ (Link auf externe Seite) eingetragen und angekündigt werden. Dort gibt es auch Vorlagen etwa für die Werbung in den sozialen Medien.
Der Aktionszeitraum ist vom 16. bis 31. Mai 2026 rund um den 77. Geburtstag des Grundgesetzes angesetzt. Über die DSEE ist hierbei für Aktionen auch eine Förderung von bis zu 500 Euro möglich: Für die Förderung bewerben können sich Einzelpersonen, die im Namen von gemeinnützigen Organisationen oder Städten, Gemeinden oder Landkreisen eine Idee für eine gemeinwohlorientierte Aktion einreichen. „Bewerbungen können fortlaufend über das Förderportal der DSEE eingereicht werden, bis die zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft sind, spätestens jedoch bis zum 31. Mai 2026“, informiert die DSEE. Zur Beantragung geht es unter https://www.ehrentag.de/foerderprogramm/ (Link auf externe Seite). Im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe #DSEEerklärt gibt es weitere Informationen und Tipps in mehreren virtuellen Kurzseminaren.
DSEE als starker Partner für Feuerwehren
Menschen für das ehrenamtliche Engagement zu gewinnen, ist das eine, sie zu halten das andere. Die Freiwilligen Feuerwehren Deutschlands haben hierzu zahlreiche Methoden entwickelt. Auch um sie zu unterstützen, bietet die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt seit ihrer Gründung 2020 verschiedenste Möglichkeiten an, um das Ehrenamt besser zu organisieren. DFV-Präsident Karl-Heinz Banse ist seit 2025 Mitglied des DSEE-Stiftungsrates und sieht große Überschneidungen mit den Feuerwehren:
#DSEEerklärt behandelt in kostenfreien Online-Seminaren auch zahlreiche weitere Themen, die für Feuerwehren und deren Angehörige interessant sind: Von Organisationsentwicklung und Wissensmanagement über Fundraising und Haftungsrisiken bis hin zum Umgang mit Social Media und Mitgliederbindung reicht derzeit das Angebot. Die Anmeldung ist unter https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/dseeerklaert/ (Link auf externe Seite) möglich.
Die Expertise der Stiftung kann durch die Feuerwehren auch für weitere Förderungen genutzt werden: So erklärt die DSEE nicht nur eigene Förderprogramme wie „transform D“ oder „100xDigital“, sondern auch den Zugang zu weiteren zivilen oder staatlichen Förderprogrammen, die zum jeweiligen Engagement passen. Es lohnt sich, hierzu einen Überblick zu gewinnen.
Zum Thema Schutz- und Präventionskonzepte ist der Leiter des DFV-Fachausschusses Sozialwesen, Thomas Wittschurky, Mitglied im „Soundingboard“ des DSEE-Netzwerks. Hier informierte er über die entsprechende Facharbeit des Deutschen Feuerwehrverbandes und tauschte sich mit Repräsentanten von 19 Organisationen über entsprechende Maßnahmen aus.