Kreisfeuerwehrverband
Frankfurt am Main 1869 e.V.

„Unser Ziel heißt Innovation!“

„Wir müssen alles können“

MONTAGSINTERVIEW

Dirk Rübesamen über Herausforderungen der Freiwilligen Feuerwehr

Dirk Rübesamen war 15 Jahre in der stadtweiten Führung der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, zuletzt zehn Jahre als Stadtbrandinspektor, und setzte sich besonders für die engere Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr ein. © Rainer RüfferFrankfurt – Dirk Rübesamen (61) war zehn Jahre lang Leiter der Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt. Als Stadtbrandinspektor hat er sich um die Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr bemüht. Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit Rübesamen über sein Amt gesprochen, das er beim jüngsten Kreisfeuerwehrtag aufgegeben hat.

Hier im Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr hängen Knoten. Das gehört auch dazu?

Wir müssen im Einsatz auch Knoten können, die können wir hier üben.

Nieder-Erlenbach ist ihre Heimatwehr. Ist diese Feuerwehr groß?

Wir haben 26 Aktive. Dazu 15 in der Jugend, 20 in der Minifeuerwehr, fünf Senioren und etwa 200 Mitglieder insgesamt.

Das heißt, Sie haben in Nieder-Erlenbach kein demographisches Problem?

Nein, Nieder-Erlenbach ist ein kinderreicher Ort. Wenn die Jugendlichen älter werden, können sie mit 16 oder 17 schon in die aktive Einheit reinschnuppern.

Wie viele Einsätze gibt es denn hier?

Wir haben mehr als 5000 Einwohner, und wir haben etwa vier bis fünf Brandeinsätze im Jahr. Aber das ist nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend ist, dass wir für ganz Frankfurt aktiv sind. Wir haben eine Beleuchtungseinheit, die nachts bei Verkehrsunfällen aktiv wird. Wir können ein Fußballfeld ausleuchten. Wir werden auch angefordert, etwa bei Bombenentschärfungen, wenn es Nacht wird.

Sie waren zehn Jahre Stadtbrandinspektor?

Zehn Jahre Stadtbrandinspektor und davor fünf Jahre stellvertretender Stadtbrandinspektor. Ich war also 15 Jahre in der stadtweiten Leitung.

Wie haben Sie denn das gemacht? Sie sind ja erst 2004 in die aktive Feuerwehrarbeit eingestiegen?

Ich habe 2004 wieder begonnen. Ich war ja auch in meiner Heimat im Harz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Aber dann, nach der Ausbildung zum Metzger, habe ich in Frankfurt noch eine Ausbildung zum Industriekaufmann angeschlossen. Es war für mich die Gelegenheit, auf dem zweiten Bildungsweg den Kaufmann zu machen.

2004 sind sie dann wieder zur Feuerwehr?

Ja, ich bin in die Einsatzabteilung gekommen und habe auch meine Lehrgänge noch einmal gemacht. Ich bin dann auch auf die Akademie in Kassel gegangen und habe alles gelernt, was man in einer Leitungsposition braucht.

Es gibt ja immer etwas Spannung zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr? Die einen machen es in ihrer Freizeit, die anderen werden dafür bezahlt...

Wir haben als FFW schon die Aufgabe, die Berufsfeuerwehr zu unterstützen. In den Anfangszeiten war es schwer, weil der Zusammenhalt am Anfang nicht groß war. Ich habe am Anfang viel daran gearbeitet, die Freiwilligen und die Berufsfeuerwehr zusammenzuschweißen. Wenn die Berufsfeuerwehr Engpässe hat, müssen wir ran. Dafür müssen wir alles können, was die Berufsfeuerwehr auch kann. Unsere Aufgabe ist, die Berufsfeuerwehr zu unterstützen.

Aber wie ist es, wenn es jetzt in Nieder-Erlenbach brennt? Wer wird dann alarmiert?

Wir werden parallel alarmiert. Es gibt gewisse Einsatzstichworte, nach denen wir alarmiert werden. Bei Kleinbränden etwa nicht, aber wenn es beispielsweise ein Wohnungsbrand ist und zwei Einheiten benötigt werden, dann werden wir parallel zur Hilfe gerufen. Wir haben Melder, die dann piepen. Im Norden und im Westen haben wir je eine Einheit, die bereitsteht, wenn es in der Innenstadt brennt, weil es in der Innenstadt keine Freiwillige Feuerwehr gibt. Es sind zwei Fahrzeuge, die bereitstehen.

In der Innenstadt gibt es keine Freiwilligen Wehren?

Ja, es fehlt an den Grundstücken. Die Stadt versucht, ein Grundstück zu finden, und im Idealfall wird dort Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr gemeinsam unterkommen.

Die Einheiten, die dafür bereitstehen, sind standby. Das wissen die Arbeitgeber?

Es gibt einen Jahresplan. Wir haben feste Aufrüstzeiten. Sie beginnen um 16 Uhr und enden morgens um vier. Das machen wir, um die Arbeitgeber zu schonen. Die Alarmierung erfolgt nur bei größeren Bränden. Die betroffenen Einheiten wissen dann: Wir müssen raus. Die anderen Mitglieder der FFW sind ja tagsüber meist nicht in ihrem Stadtteil. Sie haben dann etwas mehr Zeit, zum Einsatz zu kommen, wenn dies erforderlich ist.

Sie sagten vorhin, was Sie getan haben als Stadtbrandinspektor: Freiwillige und Berufsfeuerwehr enger zusammenzuführen.

Richtig. Es begann mit Professor Ries als Leiter der Berufsfeuerwehr, ging weiter mit Karlheinz Frank und setzt sich mit Markus Röck fort. Seit acht Jahren klappt es richtig gut. Es begann mit der 150-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr 2019, vor zwei Jahren dann das Jubiläum der Berufsfeuerwehr – da haben wir viele Festivitäten gemeinsam veranstaltet. Wir haben auch viele Übungen gemeinsam gemacht und kennen uns auch von den Einsätzen.

Es gibt ja auch gemeinsame Feuerwehrhäuser.

Es haben nicht alle Stadtteile passende Grundstücke. In Sachsenhausen hat man ein gemeinsames Gebäude erstellt, ebenso ist die FFW Nied bei der Feuerwehr untergekommen.

Was gibt es sonst noch an Zusammenarbeit?

Samstags von acht bis 13 Uhr besetzen die Freiwilligen Feuerwehren die Räume der Berufsfeuerwehr, weil die Berufsfeuerwehr dann die Möglichkeit hat zu üben. Es ist im Dienstplan etwas Luft. Da fragen sie dann Wochen vorher, wer die Möglichkeit hat zu helfen. Etwa in Nieder-Erlenbach, Harheim, Nieder-Eschbach, Bonames: Wir sind hier im Norden der Wache 10 zugeordnet. Wenn die Wache 10 üben will, fragen die vorher, ob die eine Freiwillige Feuerwehr Zeit hat, wenn nicht eine andere. Die übernehmen dann und machen am Samstag die Wache, während die Berufsfeuerwehr übt.

Es gibt in Frankfurt rund 900 freiwillige Feuerwehrleute. Es waren früher schon mehr, etwa 950. Woher kommen diese Entwicklungen?

Es ist in jedem Jahrgang anders. Wer 60 wird, steigt aus der Einsatzabteilung aus. Das sind jetzt die geburtenstarken Jahrgänge. Aber wir haben starke Jugendfeuerwehren, und wenn die 18 werden, können sie in die Einsatzabteilungen. Das gelingt nicht immer, weil viele dann Frankfurt verlassen, etwa wegen des Studiums.

Und wie ist es mit Frauen?

Wir haben mehr Frauen in der Feuerwehr als vor einigen Jahren. Aber es ist für Mädchen doch noch etwas anderes, einen Helm aufzusetzen. Trotzdem – die Frauen kommen. Es sind jetzt 155 Frauen.

Was muss unter dem neuen Stadtbrandinspektor Di Marco geschehen?

Fangen wir mal damit an, was wir geschafft haben. Der Zusammenhalt wächst. Die Freiwillige wird in den Einsatzdienst einbezogen. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr können kostenlos schwimmen. Wir haben eigene Ausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr, um die Berufsfeuerwehr zu entlasten. Das wurde erreicht. Was jetzt ansteht, ist Folgendes: Es gab im alten Rebstockbad einen eigenen Fitnessraum für uns – leider ist er weggefallen im neuen Bad. Wir sollten wieder einen Fitnessraum bekommen. Ich wünschte zudem, es gebe in Hessen eine eigene Feuerwehrrente, wie es in manchen Bundesländern der Fall ist. Für zehn Jahre Einsatzdienst kann man ein Jahr früher in Rente gehen. Was ich ebenfalls wünschte, dass man als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Uniform kostenlos mit der Bahn fahren kann. Das geht in Frankfurt nicht.

Wie zeitaufwendig ist denn der Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr?

Wir reden über den wöchentlichen Einsatzdienst für die Ausbildung. Wir reden in Sachsenhausen von 80 bis 90 Einsätzen pro Jahr, in Nieder-Erlenbach etwa von 20. Das liegt am hohen Anteil von Wohneigentum hier. Aber es gibt auch die Unterstützung der Berufsfeuerwehr, die Sonderlagen, die Fortbildungen...

Der neue Stadtbrandinspektor hat also noch einiges zu tun. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Nachfolger?

Ja. Wenn man das wie ich 15 Jahre gemacht hat, dann gehört man selbst zu den Alten. Und dann müssen die Jungen ran. Daniel kommt aus der Jugendfeuerwehr. Er bringt neue Ideen mit. Nur mit neuen Ideen kommen neue Prozesse. Die Aufgaben des Stadtbrandinspektors sind sehr vielfältig. Ich hatte an fast jedem Abend einen Termin. Frankfurt, Nassauischer Feuerwehrverband, Landesfeuerwehrverband etc. Ich habe als Angestellter der Stadt die Möglichkeit gehabt, freigestellt zu werden. Ein Teil dieser Termine wird Daniel auch am Bildschirm erledigen können.


Zur Person

Dirk Rübesamen ist gelernter Metzger. Schon als Kind in der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt Goslar, kam er der Liebe wegen nach Frankfurt, arbeitete bei der Deutschen Bank, ehe er 1990 eine zweite Ausbildung als Industriekaufmann begann. Seit 2018 ist er bei der Wirtschaftsförderung Frankfurt. Er war Wehrführer in Nieder-Erlenbach, ehe er 2011 zuerst stellvertretender Stadtbrandinspektor wurde, seit 2016 dann für zehn Jahre der oberste Freiwillige Feuerwehrmann Frankfurts. Er verspricht: „Ich bleibe bei der Freiwilligen Feuerwehr in Nieder-Erlenbach, allerdings nur in der Altersabteilung.“TJS